Unterführungen

finden sich in unseren Großstädten.
Schummriges Licht von Neonleuchten, manche flackern nervös, manche leuchten gar nicht mehr. Dunkle Ecken. Betonwände mit Graffitis oderzweifelhaften Botschaften beschmiert. Bettler und Obdachlose, die hier Wohnung nehmen. Zwielichtige Gestalten, die an den Wänden lehnen und die Durchgehenden beobachten.

Dahinein hat die Künstlerin Silvia Unger die Geburt Jesu, die Krippendarstellung, gesetzt. In einer solchen unwirtlichen Unterführung möchte sich niemand lange aufhalten.
Dieser scheinbar gottverlassene Ort wird zum Nabel der Welt, weil genau hier der Retter geboren wird. Kein Kind dieser Erde sollte unter
solch erbärmlichen Umständen zur Welt kommen. Und doch passiert es täglich, ja vermutlich sogar stündlich. Es passiert in den Häuserruinen der Kriegsgebiete, in Bunkern, in hoffnungslos überfüllten Flüchtlingslagern, in den weltweiten Slums oder in heruntergekommenen Behausungen.
Solche scheinbar gottverlassenen Orte gibt es auch in uns selbst: Perspektivlosigkeit, Überforderung, sich wie im Hamsterrad fühlen, getrieben sein. Wenn wir einfach weitermachen wie bisher, werden wir irgendwann aufgeben, zusammenbrechen oder aus der Bahn geschleudert werden. Dazu kommen äußere Anzeichen: Stopp-Schilder wie Krankheit, eine Trennung oder ein Verlust eines lieben Menschen. Auch positive Signale von außen können auf notwendige Veränderung hinweisen: eine neue berufliche Aufgabe, eine neue Herausforderung, die an mich gestellt wird, eine Beauftragung, die über meine bisherigen Erfahrungen hinausgeht. Diese äußeren Signale geben uns zu verstehen, dass der Weg eine Wen- dung macht, Neues unbedingt nötig ist.
Unterführungen führen unter anderen Verkehrswegen hindurch und erschließen neue Wege zum Weitergehen. Zu solchem  Perspektivenwechsel werden wir auch durch die Kirchenentwicklung 2030 geführt.
Etwas Neues beginnt, das mit Leben erfüllt werden soll. Etwas Neues beginnt, das wir gemeinsam mit Mut, Tatkraft, Ideenreichtum und Gottvertrauen angehen dürfen. Weihnachten gibt uns die Gewissheit, dass wir in allem Auf und Ab des Lebens „Unter-Führung“  Gottes stehen. Spüren und ahnen, dass und wo Gott am Wirken ist, stärkt unseren Glauben bei weitem mehr als alles Wissen über ihn. Gott spüren, seine Nähe, das ist die treibende Kraft in uns, die uns zum Handeln bewegt und Zuversicht verleiht. Die Botschaft von Weihnachten ist in erster Linie: „Gebt die Hoffnung nicht auf! – Gott ist da! – Ihr steht „Unter“ seiner „Führung“!
Vergelt ́s Gott für Ihre Verbundenheit, Ihr Mitgehen und Ihr Engagement in unseren bisherigen Seelsorgeeinheiten und unserer „neuen“ Pfarrei St. Marien, unserer Kirchengemeinde Nordbadische Bergstraße.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest, alles Gute und Gesundheit für das Neue Jahr 2026!
 
Ihr leitender Pfarrer

Johannes Balbach